Island im Sommer

 

Keine Frage - Radfahren auf Island kann ganz schön fordernd sein. Wenn man bei stürmischem Gegenwind und größter Kraftanstrengung nur mit 6 bis 8 km/h voran kommt, wenn die Temperaturen auf 7°  fallen oder wenn man ganz tief im Kobaltsand steckend sein Fahrrad mehr schiebt als liebt. Dann sieht und hört man nichts anderes als das, was man eben nicht hören und sehen will!  


Wenn das Wetter aber gut ist, dann ist alles gut! Dann zeigt sich eine landschaftliche Vielfalt und Farbenpracht, wie man das wohl nur nahe am Polarkreis zu sehen bekommt. Island, das sind Gletscher, Geysire, Wasserfälle, Vulkane, Mondlandschaften, Berge, Seen und natürlich das Meer. Natur pur - spektakulär und ursprünglich.

 

Und - nirgendwo anders habe ich die Ruhe intensiver gespürt als hier. Sogar der Tagesablauf hat einen harmonisch sedierenden Rhythmus: Wetter checken, Aufstehen; Essen, nicht erfrieren, den Gegenwind verwünschen, nicht in heiße Quellen fallen, eiskalte Flüsse furten - dann wieder zurück in den wärmenden Schlafsack.

 

Island ist die Insel der Stille. Stille ist die Abwesenheit von Lärm. Hier hört man nichts und sieht alles. Das beruhigt!

 

Entscheidend ist das Wetter. Und damit hatte ich wohl Glück. Nur an 4 Tagen gab es ausgiebigere Regenfälle. In den letzten 10 Tagen hatte ich sogar viel Sonnenschein und mit Temperaturen um die 20 Grad war es ausgesprochen warm. Für isländische Verhältnisse ein schöner Sommer. Wann gab's das schon mal? Ach ja, damals, 1939 - da wurde mit 30 Grad die jemals höchste Temperatur gemessen.

 

4 Wochen und 2.200 km bin ich fast um die ganze Insel geradelt. An meiner ursprünglich geplanten Route habe ich mich dabei nur grob orientiert und habe diese immer wieder spontan entsprechend aktueller Infos und Empfehlungen von anderen Leuten angepasst. Auf Island muss man flexibel sein.

 

Im Hochland unterwegs zu sein, heißt mehr oder weniger einsam auf einer mehr oder weniger guten Piste und auf circa 600 Meter Meereshöhe oder darüber zu fahren. Für einen Allgäuer sind 600 Meter "Unterland ", also harmlos. Die Gletscher reichen jedoch bis zum Meer und auf 1.000 Meter hat es auch mal geschneit. Wohlgemerkt im Hochsommer! Man sollte das Hochland also keineswegs unterschätzen, sonst kann man ganz schnell in Bedrängnis kommen.

 

Vieles, was ich gesehen habe, hat mich an andere Länder erinnert, z.B an die Alpen, an Patagonien oder an Neuseeland. Island ist trotzdem was Besonderes! Denn nirgendwo anders ändern sich die Landschaften - und die Wetterverhältnisse - so radikal. Weitere Besonderheiten sind, daß man z.B. Gehsteige beheizt und Heißwasser ins Meer einleitet, damit man dort bei ca. 16 Grad baden und ein wenig mediteranes Feeling haben kann. Mir war's als bekennendem Warmbader trotzdem zu kalt.

 

Auf Island leben ca. 350.000 Einwohner. Zwei Drittel davon in Reykjavik und Umgebung. Pro Jahr kommen ungefähr 2 Millionen Touristen und füllen die maroden Staatskassen. Der Touristen-Imperialismus bringt aber auch Probleme mit sich. Ein älteres einheimisches Ehepaar brachte es auf den Punkt: "In Restaurants können wir noch auf Englisch bestellen und für Fish&Chips und ein Bier zahlt man schon mal 41.- EUR. Na denn, Prost-Mahlzeit! 

 

Auf beides habe ich übrigens verzichtet, sehr zur Freude meiner Reisekasse und meines BMI's. Einen Eindruck sollen die folgenden Fotos vermitteln. Demnächst werden noch weitere Infos folgen. Also dann - viel Spaß! Svo þá, hafa gaman!

 

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