Do

23

Nov

2017

Welcome back - Incredible India

Unvorstellbar, unglaublich, wahnsinnig: Für Indien trifft jede Übersetzung von "incredible"zu. Wer noch nie hier war, der bereite sich auf eine neue Qualität von Lärm, Dreck und Elend vor. Das Chaos ist hier zu Hause. Rund-um-die Uhr!

 

Es ist das dritte Mal, dass ich Indien bereise. Das erste Mal war ich 1978 hier. Auf dem sogenannten Hippie-Trail zogen wir per Bahn und Bus gen Osten in dieses wundersame wie wunderbare Land.

 

Seitdem ist die Welt eine andere. Die indische Bevölkerung hat sich auf 1,3 Milliarden verdoppelt. Das bedeutet, doppelt so viele Menschen in den Strassen die - gefühlt - zehnmal so viel Lärm produzieren. Die beschauliche Rikschaklingel ist nur noch ein nostalgisches Relikt aus einem früheren Leben. Stattdessen ist die Hupe, permanent im Gebrauch, wichtigste Waffe im Großstadtdschungel. Blechlawinen würgen sich von früh bis spät durch chronisch verstopfte Straßen. Zentimetergenau wird jongliert und die Fahrbahn ist Umschlagplatz für alles was Krach macht und stinkt. Rikschas, Handkarren, fliegende Händler, heilige Kühe, Bettler, Hunde und Fußgänger: Alles findet hier einen Platz, sogar zum Schlafen. Das Chaos fügt sich irgendwie auf wundersame Weise ineinander und löst sich - oh Wunder - irgendwann wieder auf. Irgendwelche Gesetzmäßigkeit oder Verkehrsregeln sind nicht erkennbar.

 

Der Tourismus boomt. Statt Sinn- und spiritueller Selbstfindung erschlägt einen jetzt das Monkey-Business. In den Hochburgen von Delhi, Jaipur, Agra und Varanasi treiben mafiöse Guides, Taxidriver, Shopmanager, Boatsmen, Gesundbeter und Gesundmacher, Masseure, Gurus, Sadhus etc. ihr Unwesen und machen regelrecht Jagd auf Touristen. Hier lässt man Nerven und den Glauben an die fernöstliche Spiritualität!

 

Trotz alledem! Indien ist immer noch faszinierend. Mehr wundersam als wunderbar. Oder doch besser umgekehrt? Ich kann's nicht sagen! Ob ich noch Mal herkomme? Ich weiß es nicht! Time will tell.

 

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Do

03

Aug

2017

Island im Sommer

 

Keine Frage - Radfahren auf Island kann ganz schön fordernd sein. Wenn man bei stürmischem Gegenwind und größter Kraftanstrengung nur mit 6 bis 8 km/h voran kommt, wenn die Temperaturen auf 7°  fallen oder wenn man ganz tief im Kobaltsand steckend sein Fahrrad mehr schiebt als liebt. Dann sieht und hört man nichts anderes als das, was man eben nicht hören und sehen will!  


Wenn das Wetter aber gut ist, dann ist alles gut! Dann zeigt sich eine landschaftliche Vielfalt und Farbenpracht, wie man das wohl nur nahe am Polarkreis zu sehen bekommt. Island, das sind Gletscher, Geysire, Wasserfälle, Vulkane, Mondlandschaften, Berge, Seen und natürlich das Meer. Natur pur - spektakulär und ursprünglich.

 

Und - nirgendwo anders habe ich die Ruhe intensiver gespürt als hier. Sogar der Tagesablauf hat einen harmonisch sedierenden Rhythmus: Wetter checken, Aufstehen; Essen, nicht erfrieren, den Gegenwind verwünschen, nicht in heiße Quellen fallen, eiskalte Flüsse furten - dann wieder zurück in den wärmenden Schlafsack.

 

Island ist die Insel der Stille. Stille ist die Abwesenheit von Lärm. Hier hört man nichts und sieht alles. Das beruhigt!

 

Entscheidend ist das Wetter. Und damit hatte ich wohl Glück. Nur an 4 Tagen gab es ausgiebigere Regenfälle. In den letzten 10 Tagen hatte ich sogar viel Sonnenschein und mit Temperaturen um die 20 Grad war es ausgesprochen warm. Für isländische Verhältnisse ein schöner Sommer. Wann gab's das schon mal? Ach ja, damals, 1939 - da wurde mit 30 Grad die jemals höchste Temperatur gemessen.

 

4 Wochen und 2.200 km bin ich fast um die ganze Insel geradelt. An meiner ursprünglich geplanten Route habe ich mich dabei nur grob orientiert und habe diese immer wieder spontan entsprechend aktueller Infos und Empfehlungen von anderen Leuten angepasst. Auf Island muss man flexibel sein.

 

Im Hochland unterwegs zu sein, heißt mehr oder weniger einsam auf einer mehr oder weniger guten Piste und auf circa 600 Meter Meereshöhe oder darüber zu fahren. Für einen Allgäuer sind 600 Meter "Unterland ", also harmlos. Die Gletscher reichen jedoch bis zum Meer und auf 1.000 Meter hat es auch mal geschneit. Wohlgemerkt im Hochsommer! Man sollte das Hochland also keineswegs unterschätzen, sonst kann man ganz schnell in Bedrängnis kommen.

 

Vieles, was ich gesehen habe, hat mich an andere Länder erinnert, z.B an die Alpen, an Patagonien oder an Neuseeland. Island ist trotzdem was Besonderes! Denn nirgendwo anders ändern sich die Landschaften - und die Wetterverhältnisse - so radikal. Weitere Besonderheiten sind, daß man z.B. Gehsteige beheizt und Heißwasser ins Meer einleitet, damit man dort bei ca. 16 Grad baden und ein wenig mediteranes Feeling haben kann. Mir war's als bekennendem Warmbader trotzdem zu kalt.

 

Auf Island leben ca. 350.000 Einwohner. Zwei Drittel davon in Reykjavik und Umgebung. Pro Jahr kommen ungefähr 2 Millionen Touristen und füllen die maroden Staatskassen. Der Touristen-Imperialismus bringt aber auch Probleme mit sich. Ein älteres einheimisches Ehepaar brachte es auf den Punkt: "In Restaurants können wir noch auf Englisch bestellen und für Fish&Chips und ein Bier zahlt man schon mal 41.- EUR. Na denn, Prost-Mahlzeit! 

 

Auf beides habe ich übrigens verzichtet, sehr zur Freude meiner Reisekasse und meines BMI's. Einen Eindruck sollen die folgenden Fotos vermitteln. Demnächst werden noch weitere Infos folgen. Also dann - viel Spaß! Svo þá, hafa gaman!

 

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Di

05

Apr

2016

...wieder zurück nach Hause

In Sao Paulo endet also meine dreimonatige Radlreise durch Chile, Argentinien, Uruguay, Paraguay und Brasilien. Mehr als 7.000 Kilometer war ich in unterschiedlichen Klimazonen und Landschaften unterwegs. Patagonien war in der Hinsicht besonders markant. 

Morgen geht's wieder zurück nach Hause. Je nach Lust und Laune werde ich auf meiner Homepage noch ein paar Infos, Fotos und Videos einstellen. Danke für Euer Interesse und...bis bald! :-)

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Sa

02

Apr

2016

Sao Paulo

Heute morgen bin ich in Sao Paulo, meinem letzten Bestimmungsort, angekommen. Das Navisystem hat mich sicher durch den Verkehr geleitet und ich erreichte problemlos die Privatunterkunft, die ich über AirBnB vorab gebucht hatte.

Gestern war also mein letzter Radltag. Mehr als 7.000 km bin ich die letzten drei Monate geradelt. 

Ich schildere hier mal kurz, wie der gestrige Radlalltag verlaufen ist:

Nach einer herzlichen Verabschiedung von dem Hostelbesitzer fuhr ich schon früh die 7 steilen Kilometer von Guarau, einem ökologischen Naturschutzgebiet, zurück auf meine Route. Ich wollte die letzten 150 Kilometer entlang der viel befahrenen Strasse in Küstennähe möglichst locker und stressfrei angehen. Dann aber riss mir ein junger Bursche auf dem Fahrrad im Vorbeifahren das am Lenker befestigte Handy herunter. Die anschließende Verfolgungsjagd habe ich jedoch für mich entschieden und so konnte ich ihm das Handy, das ich auch als Navi verwende, wieder abnehmen. Eine saftige Fotzen gab ich ihm noch mit, bevor er sich jammernd wieder davon machte.

Eine Stunde später hielt mich ein Autofahrer an. Ich war erst etwas argwöhnisch, dann aber erklärte er mir, dass er ebenfalls ein Radler sei, umarmte mich herzlich, machte ein Dutzend Fotos und schenkte mir eine goldene Halskette mit einem Fahrrad als Anhänger.

Kurz danach bremste mich dann ein verwegen aussehender Motorradfahrer aus. Er kramte in seiner Lederjacke nach einem Aufkleber von seinem Motorradclub, suchte nach einer passenden Stelle auf meinem Radl und rauschte nach einer herzlichen Umarmung, beide große Daumen nach oben streckend, wieder davon.

Die restlichen Kilometern waren dann noch einmal richtig anstrengend. Statt der erwarteten Flachetappe gings 15 Kilometer bergauf. Viel Verkehr und 12 Tunnel - das hatte mir noch gefehlt. Es war schon dunkel, als ich in einem Vorort von Sao Paulo endlich ein Motel fand. Nach zwei Bier und einem Snack war ich dann wieder hergestellt. 



(Die Fotos sind Momentaufnahmen von der Strecke Curitiba nach Sao Paulo)


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Mi

23

Mär

2016

Brasilien

Die letzten Tage bin ich ca. 650 Kilometer an die Ostkueste, an die Atlantikseite, gewechselt. Die Strecke ist sehr hügelig und auch stark befahren. Auch auf einer alternativen Ausweichsroute hatte ich mehr LKW-Verkehr, als mir lieb war. 

Landschaftlich war die Gegend zwar ganz nett - aber vergleichsweise auch nicht so ein Highlight. So bin ich froh, dass ich jetzt in Curitiba - das liegt 400 Kilometer südlich von Sao Paulo - bin und wieder etwas Abwechslung in meinen Radlalltag bringen kann.

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So

13

Mär

2016

Parque Nacional del Iguazu

Die Wasserfälle von Iguazu gelten als die Schönsten der Welt. Sie liegen im Dreiländereck von Paraguay, Argentinien und Brasilien.  Es ist ein unglaubliches Naturspektakel, wie die Wassermassen aus allen Himmelsrichtungen kommend mit lautem Dröhnen in die Tiefe stürzen. 

An zwei Tagen habe ich sowohl die brasilianische als auch die argentinische Seite besucht.  Beide Parks sind sehr gut erschlossen und man kann hautnah zu den Abbruchstellen der bis zu 100 Meter tiefen Fälle wandern.

Es gibt Dutzende von Wasserfällen. Insgesamt sollen es über 200 sein. Es ist ein grandioses Naturerlebnis und wohl einmalig auf der ganzen Welt. 

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Mo

07

Mär

2016

Uruguay, Brasilien und Paraguay

In den letzten Tagen war ich ca. 1000 km in Richtung Norden unterwegs. Von Buenos Aires aus bin ich mit der Faehre nach Uruguay uebergesetzt. Von dort weiter über Brasilien und Argentinien, immer wieder mal die Grenze wechselnd, und heute in Paraguay gelandet. Von hier aus führt mein nächstes Reiseziel zu den berühmten Wasserfällen von Iguazu.

Landschaftlich war die Strecke nicht ganz so interessant. Leicht wellig war's in Uruguay, bunte Häuser sah ich in Brasilien und die nette Provinz Misiones in Argentinien machte auch keinen grossen Unterschied. Andere Radler und Touristen habe ich keine mehr getroffen. Aber für mich war's nach den Anstrengungen der letzten Wochen ganz gut. Ich konnte mich wieder etwas regenerieren und freute mich an den guten, asphaltierten und flachen Strassen, den vielen Läden und dem Rückenwind. 

In Paraguay bin ich, nachdem die Brücke über den Rio Parana für Radler gesperrt ist, mit dem Zug angekommen. Die Temperaturen gehen wieder auf die 40 Grad zu. Es bleibt weiter spannend! Mal sehen, was die nächsten Tage so bringen !?

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Sa

27

Feb

2016

Buenos Aires

Von Ushuaia aus bin ich nach Buenos Aires geflogen, und habe diese Stadt sofort geliebt. Um 3 Uhr morgens radelte ich die 10 Kilometer vom Flughafen zum Hostel. Es war mehr los als zur Rush-Hour in Krugzell. Im Hostel America del Sur haben sie mir gleich die Dusche und einen Schlafplatz mit WiFi zugewiesen. Die Tankstelle gab mir noch Bier und Pizza - die Nacht war gerettet. :-)

In den folgenden drei Tagen habe ich mich, meine Wäsche und mein Radl komplett runderneuert. Da freuen sich nicht nur Radl und Umfeld :-)

Und dann habe ich gegessen, gegessen und .... gefr...! Ja, das kann ich nicht anders ausdrücken. Herrlich! Alles rein, was fett macht! Kann man in 3 Tagen tatsächlich 3 Kilo zunehmen??? Gott sei Dank gibt's hier keine Waage. Die Argentinier verstehen es zu Leben :-)

Die Tage hier waren Urlaub vom Feinsten, wenn man die letzten 6 Wochen als Maßstab nimmt.

Morgen geht's weiter nach Uruguay.  Da solls ja auch ganz nett sein!? :-)

Ich melde mich wieder. Hasta luego!



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Mo

22

Feb

2016

Tierra del Fuego

Heute bin ich im südlichsten Ort der Welt, in Ushuaia, angekommen. Danach kommt nur noch die Antarktis und dann das Universum :-). 

Mehr als 4000 Kilometer bin ich in den letzten sechs Wochen von Santiago aus bis nach Feuerland geradelt. Ist schon heftig,  was ich in der Zeit alles erlebt habe: Hitze, Kälte, Sturm, Wellblechpisten, endlose Landschaften, Einsamkeit und Menschenleere, herrliche Berge, Pazifik und Atlantik, die Seenplatten von Chile und Argentinien und viele, viele Begegnungen mit tollen und interessanten Menschen aus aller Welt.

Keine Frage, auf diese Art Patagonien zu bereisen, ist sehr anstrengend. Und dennoch, intensiver und unmittelbarer als mit dem Radl kann man diesen Landstrich und seine Menschen nicht kennen lernen. 

Und extreme Bedingungen sind auch immer eine Reise in sein innerstes Selbst. Man lernt sich und seine Grenzen wieder neu kennen. Besonders dann, wenn man wie ich alleine unterwegs und auf sich selbst gestellt ist.. 

Patagonien ist ein Land der Extreme - Patagonien ist einzigartig! 

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