Mi

14

Nov

2018

Städtereise nach Tel Aviv

Eine Reise nach Israel ist nicht nur eine Vergnügungsreise. Die Erinnerungen an den Holocaust und die Massenvernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten werfen ihre Schatten. Einen ganzen Tag in der Gedenkstätte Yad Vashem Memorial in Jerusalem zu verbringen vermittelt mir mehr als das, was ich jemals über die dunkle Vergangenheit gehört und gelesen habe. In einem der vielen Gebäude, dem fast völlig abgedunkelten Kindermemorial, werden die Namen aller ermordeten Kinder verlesen. Ein Durchlauf soll knapp drei Monate dauern und verdeutlicht auf beklemmende Weise das Ausmaß des Holocausts.

 

Tel Aviv ist eine junge und moderne Stadt. Sie wird in Anlehnung an New York – das ist wohl ironisch gemeint - auch "The Big Orange" genannt. Unser Ausgangspunkt war Yafo. Zwischen dem Zentrum und Jaffa gelegen ist dieser Stadtteil idealer Ausgangspunkt für eine Exkursion. Fußläufig erreicht man den pulsierenden Carmel Market und zahlreiche Kneipen, Geschäfte und Restaurants. Die Stimmung ist gelöst, locker und tolerant. Unbehelligt drehen einige junge Leute Joints und trinken ihr Bier dazu. Wo sonst noch auf der Welt kann man das? Man sagt, dass Tel Aviv anders sei als andere israelische Städte.

 

Von der Aussichtsplattform des Azrieli Centers aus hat man einen imposanten Blick auf die Skyline Tel Avivs. Auf der netten Strandpromenade tummeln sich am Sabbat Familien und Fitnesshungrige, die sich ihre nebenan einverleibten Kalorienbomben wieder abtrainieren. Die Straßen sind relativ gelassen: zahlreiche Fahrrad-Verleihstationen verlagern und entschleunigen den Verkehr. Der Renner sind die Elektro-Scooter. Sie cruisen mit 40 km/h umeinander und es empfiehlt sich, an Kreuzungen wachsam zu sein.

 

Unser 8-tägiger Besuch war kurzweilig und auch ein wenig inspirierend. Sogar mit den Kichererbsen habe ich mich nach einem Besuch im angeblich besten Hummus-Lokal Abu Hassan in Jaffa versöhnt. Die meist jungen Menschen waren locker und immer freundlich. Als wollten sie ein Statement abgeben zu den allgegenwärtigen Schlagzeilen des Nahostkonflikts mit Terroranschlägen, Hass und Entsetzen. Hier in Tel Aviv wird auch gekämpft, aber gegen dieses Bild verwenden die jungen Leute ihre ganze Energie.

 

Sie leben auf ihre Weise, was Kurt Tucholsky mal gesagt hat: „Ein Land ist nicht nur das, was es schafft, sondern auch, was es toleriert.“

 

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Impressionen aus Tel Aviv und Jerusalem

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